2016-12-15

#711 - seelenschwer (rant)

unschöne tage sind das grade.
in meinem job nicht, da läuft es erstmals seit einer guten weile wieder so, dass es richtig spaß macht. aber auf vielen sonstigen ebenen.

das zusammenleben mit dem gatten ist derzeit kein kraftspender für mich, sondern macht das bündel auf meinem buckel gerade noch schwerer. er verspricht mir dinge, an die ich ihn immer und immer und immer und immer wieder erinnern muss. und noch mal. und nochmal. und es passiert nichts. so liege ich ihm seit mitte des herbstes in den ohren, dass ich gern eines meiner räder "auf die rolle" (=den rollentrainer) gestellt haben möchte, damit ich drinnen immer mal ne runde strampeln kann, wenn es für mich zum radfahren draußen zu dunkel oder einfach zu unfreundlich ist. mit ihm komm ich ja seit wochen nicht mehr regelmäßig raus. seit sonntag (=dritter advent ...) steht das tacx immerhin in der werkstatt. aber da steht es gut - und passiert ist seither ... nix.
dass er mit seinem daumen vieles nicht oder nicht gut oder nicht schmerzfrei kann, ist klar. aber warum, zum §$&!, macht er dann nicht grundsätzlich klare ansagen? wir (!) verabreden, am we an beiden tagen wenigstens ne kleine runde mit den rädern machen zu wollen. am sa. fällt ihm morgens ein, dass er zum fußballspiel des enkels gehen muss, und am so. kann er nicht wegen daumenweh. beides sind für mich akzeptable begründungen - aber warum sagt er mir das nicht gleich? dass er seinen daumen schonen möchte, das weiß er schon seit ende november.

dann die ansage, dass er mir bei der diesjährigen feiertagsdeko nicht helfen kann,  wegen des daumens. das wäre an sich kein problem. kann ich alleine, hab ich bisher auch hinbekommen. aber a) habe ich ihm bereits letztes jahr (!) gesagt, dass ich gern einen reifen in passender größe aus dünnem. aber stabilem rohr haben möchte, um dem kranz damit einfacher binden zu können - das ist in fast nem jahr nicht passiert. und bis mitte okt. war der daumen heil.
und b) muss er mir ja beim aufhängen nicht zwingend selber helfen, es reicht schon, dass er mir mal wen ranorganisiert, der die gewünschte hochziehhilfe befestigt. das werde ich dann jetzt selber machen und mich auch um die befestigung selber kümmern. im zweifel ist es dann halt eine klobige und schwergängige geschichte - aber ich hab wenigstens ne deko. gar nix fühlt sich für mich wahnsinnig traurig und trostlos an. dazu seine aussage, wir brauchten keine deko, wir seien doch gar nicht da - das ist schlicht falsch. evtl fahre ich einen oder zwei tage zu meiner mutter, aber ansonsten bin ich schon zuhause. und meine januarreise dauert auch nur wenige tage.

die behausung habe ich seit wochen weitgehend allein an der backe. er greift wohl mal punktuell mit zu, wenn ich laut genug rumjammere. aber von sich auch tut er noch weniger als im normalfall, und das ist schon wenig genug.

same same mit den katzen. der graue hat gekränkelt und sehr abgenommen. ich vermute zahnprobleme, und er muss zum doc. eigentlich hatte der gatte versprochen (ha, ha ...), dass er sich kümmert, weil ich noch nennenswert stunden schaffen muss bis kommenden donnerstag (tag der abrechnung mit meinem auftraggeber). aber wenn ich ihn daran erinnere, kommt, nein, heute/morgen nicht, ich habe zu viel zu tun.
ich bin es so leid.
es fühlt sich alles sehr, sehr ungeliebt an.

dass zusätzlich zu all dem meine rechnungen an die gattenfirma der letzten 7 monate noch ausstehen, schlägt dem fass die krone ins gesicht. eigentlich hatte ich gedacht, das sei nach dem ausscheiden  der schwiemu nun geschichte - aber da habe ich  falsch gedacht.

ich werde wohl mal die berühmten drei worte sagen müssen: "wir müssen reden."

2016-12-09

#710 - komische vorstellungen haben die ...

während einer feier im sommer passierte einem der gäste ein missgeschick, und es ging eine große und recht teure vase zu bruch. mein gast meldete das seiner haftpflichtversicherung. die schickte mir wochen später eine schnippische epistel, in der der sachbearbeiter folgende dinge forderte:

* fotos von der heilen vase (immerhin „soweit möglich“)
* fotos von art und umfang des schadens
* die scherben (kein witz – „bewahren Sie die beschädigte Sache bitte bis zur abschließenden Regulierung auf ...“)
* eine „ausführliche, schriftliche“ schadensschilderung von mir, auch wenn ich gar nicht zugegen war,
* namen und anschriften aller augenzeugen (!!),
* kaufbeleg und
* hersteller und typbezeichnung.

dabei hatte ich bereits im sommer vom verkäufer ein gutachten über die vase angefordert, weil typ und hersteller auf der vase nicht draufstanden. und dieses gutachten, das im übrigen auch ein ungefähres anschaffungsdatum und natürlich einen preis enthielt, dieses gutachten lag der versicherung auch vor.

nachdem ich – ebenfalls eher weniger konziliant – geantwortet hatte (unter anderem, dass ich die rasiermesserscharfen scherben einer 10 kilo schweren bodenvase ganz sicher nicht aufhebe), bekam ich heute nun die mitteilung, dass man nun doch reguliert - zum zeitwert.

was mich schon ein bisschen zu kopfschütteln veranlasste, denn was machen die bei antiquitäten? wird da bei einer mingvase auch der zeitwert angesetzt (weil, sagen wir mal, 2000 jahre alt, wert gleich null)? also ich hab, nein, hatte eine vase, teuer und unersetzbar (weil nicht mehr produziert). und bekomme 30 % abschlag, weil die 2 jahre alt ist. nun gut.

da ich jedoch so gar keine lust habe, mich noch weiter mit den plinsen herumzureißen, lasse ich es dabei bewenden. nicht ohne eine weitere kerbe in das kerbholz der versicherungen zu schneiden, mit denen ich über die jahre zu tun hatte. eigentlich ist es schade, dass diese ehrenwerten häuser ihrem besch...eidenen ruf so dermaßen gerecht werden. aber nicht überraschend.

2016-12-08

#709 – kotelett am kopp oder was??

gestern abend ist mir was echt surreales passiert. nach einem sehr unerfreulichen tag (de facto kein internet = verbindungsgeschwindigkeiten von mageren 0,03 Mbit/s eignen sich nicht für die remote-arbeit) wollen der gatte und ich kurz vor ladenschluss noch mal fix in den elektronikmarkt, einen neuen router kaufen. (dass ich den router nicht für den grund unseres problems halte, ist ne andere sache, darüber evtl. später mehr.)

ich bin in ner schlumperigen, ehemals schwarzen cargohose, einer taillenkurzen, anthrazitfarbenen steppjacke (sportlich) und in schwarzen hightops mit kunstfell unterwegs und habe nicht das gefühl, dass das optisch jetzt ein burner sei. 
im einkaufszentrum wurde ich dann aber so intensiv angestarrt, dass es sogar dem gatten auffällt. überwiegend männer haben mir nachgeglotzt (anders kann man das nicht nennen!) – die blieben stehen und verdrehten sich die hälse. und das, obwohl ich mit mann an der seite rumlief! völlig ungeschminkt, mit augenringen und standard-glatt weggesteckten haaren. völlig surreal. ein paar frauen guckten auch. aber nicht abfällig. (das merke ich schon – diesen missbilligenden mikro-flunsch und seine nöligen verwandten erkenne ich sicher.)

schon echt seltsam!

edit: andreea meint, ich hätte vielleicht einer prominenten im „tarnoutfit“ (muss ungestylt in die öffentlichkeit) ähnlich gesehen. ein sehr seltsames gefühl war es trotzdem und in jedem fall. 

2016-12-05

#708 – it ain't over 'til it's over oder: 2016 versuchte nochmal nachdrücklich zu saugen

Am 21.11. ereilt mich nachmittags gegen zwei ein Anruf der Tierarztfreundin, die mit des Gatten Onkel liiert ist (die, bei denen die Rinder auf der Koppel stehen). Die kleine Färse, genannt „die Mutsche“, hat Wehen, aber es scheint sich nichts zu tun. Wie lange schon, ist unbekannt. Sie erreiche ihren Mann nicht, ob ich via dem Meinigen dem Ihrigen Bescheid geben könne. Mach ich.

Aber was nun?

Wir sind beide halbwegs ratlos, wie nun weiter zu verfahren sei, da die Mutsche eher weniger entspannt ist im Umgang mit Menschen. Kein Wunder, die Rinder leben ganzjährig auf der Koppel, und wir Menschen greifen nur punktuell ein (regelmäßig zufüttern, Klauen schneiden und Blutabnahme gelegentlich, Ohrmarken setzen einmalig - so was halt). Die C. selber ist grade mit Reitschulkindern beschäftigt und nicht abkömmlich.

Ich flitze erst mal rüber, um mir ein Bild zu machen und dann zu tun, was ich besonders gut kann: Organisieren und Herumtelefonieren. Der G., ihr Mann, kommt auch gerade, und wir stiefeln gemeinsam über die Koppel, um die Lage zu sichten.

Der Mutsche geht es schlecht, aber sie ist nicht apathisch genug, uns an sich heranzulassen. Sie liegt am äußersten Ende der Koppel, steht aber sofort auf und weicht uns aus, wenn wir auf weniger als 5 Meter herankommen. Wir beratschlagen, wie wir weiter verfahren wollen. Arzt holen? Den Schlachter? Den Bisonzüchter aus dem Nachbardorf? Alle müssen ggf. erst herantelefoniert werden.
Der G. willigt scheinbar ein, dass ich vor einer endgültigen Entscheidung noch mit dem Meinigen spreche – schließlich sind wir diejenigen, die die Rechnungen bezahlen müssen. Als ich 10 Minuten später dem G. mitteile, dass wir bei Kosten ab vierstellig die Kuh schlachten lassen (müssen – das haben wir grade nicht klein einstecken), teilt er mir mit, dass er die Tierklinik bereits angerufen hat und die bereits unterwegs sind.
Ich schäume – aber nun isses mal so, Punkt. Kann ich nur hoffen, dass es nicht so teuer wird.

Der TA kommt von der Unikinik und steckt erst mal in einem Stau auf der P-straße fest. Es ist bereits dunkel. als er eintrifft. Und bitterkalt. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits 3 Stunden im sibirisch-eisigen Wind auf der Koppel zugebracht. Zum Glück hat mir der Gatte eine weitere Jacke mitgebracht und zwei Fahrradlampen. Eigentlich zum Suchen der Mutsche, aber sie erweisen sich später als OP-Licht als höchst nützlich.

Die Mutsche wird mit dem Blasrohr sediert, das Narkotikum wirkt erfreulich schnell, und dann geht es schon los. Die Mutsche bekommt einen Strick um das Hinterbein, damit sie den TA nicht tritt. Diesen Strick soll der G. halten. Also FEST halten. So dass sie eben nicht treten kann. Und was tut er? – Hält den Strick wie nen Pillemann mit zwei Fingern, sodass der TA dann doch zwei, drei Tritte abbekommt. Ich mache mir meine eigenen (wenig freundlichen) Gedanken darum, wie hilfreich der G. bei dieser ganzen Geschichte ist.
Dann Scheren, Rasieren, Waschen, Lokalanästhesie, nochmal Waschen, Schnitt. Direkt auf der Koppel. Im Wind. Der TA hat unter seinem OP-Schurz nur ein T-Shirt an, und ich frage mich, ob der Uran frühstückt, dass er die schneidende Kälte so wegsteckt. Die mitgereiste Studentin assistiert, der Student steht ein bisschen ungeschickt in der Gegend herum. Ich leuchte.
(Man staunt, wozu die modernen LED-Fahrradlampen alles taugen. Die geben ein wunderbar fokussiertes Licht ab, und sowohl der TA als auch die beiden studentischen Assistenten sind sehr angetan davon.)
Nach erstaunlich kurzer Zeit (schätzungsweise nicht viel mehr als eine Stunde) ist der Uterus entwickelt und das tote Kalb draußen. Der TA meint nach Blick auf die Fibrinmengen im Bauch der Mutsche, sie könne schon SEHR lange Wehen gehabt haben. Sooo groß war das Kalb dann gar nicht – aber die Lütte ist eben noch ein Kind – quasi eine frühe Teenager-Schwangerschaft (bzw. -trächtigkeit) :(((
Der TA ist erfreut über den Zustand des Uterus, der sich bereits deutlich zusammenzieht. Das sei ein gutes Zeichen. Er wird gründlichst gespült, mit zwei gewaltigen Nähten mit fast zwirndickem Faden zusammengenäht wie ein dicker Rollbraten und rückverlagert. Dann spült der Doc den Bauch ebenso gründlich, vernäht den Bauchschnitt und klammert die Haut. Nach reichlich zwei Stunden ist die OP beendet, und wir stehen frierend im Licht der beiden Transporter auf der Koppel. Der Gatte und ich reisen heim, ich falle in die Wanne und anschließend stumpf ins Bett.

Epilog:

Anderntags versuchen die C. und ich, dem Färslein die zweite Antibiose-Spritze zu geben. Klappt natürlich nicht, die Dame lässt uns nach den Schmerzen und Erfahrungen des Vortages natürlich nicht an sich heran. Aber es geht ihr den Umständen entsprechend passabel. In den folgenden Tagen erholt sie sich dann zusehends.
6 Tage post-OP darf sie wieder zur Herde. und 10 Tage post-OP werden ihr während der jährlichen Blutentnahme auch die Klammern entfernt. Ob sie nun wieder trächtig wird und ob eine solche Trächtigkeit problemlos läuft oder sie dann im zweiten Anlauf umbringt, werden wir nun abwarten (müssen). In Summe war die Rettungsaktion ein Erfolg. Das immerhin ist richtig schön!

Der TA-Einsatz war dann erstaunlich preiswert, knapp 500 EUR über alles inkl. Not- und Nachtdienstzuschlag finde ich erstaunlich wenig dafür, dass da einer mit einem Koffer voll Equipment anreist und sich insgesamt etwa 3 Stunden lang auf einer sehr kalten Koppel mit einer fremden Kuh beschäftigt. Der Gatte und ich sind froh, dass wir den Rettungsversuch gemacht haben, weniger froh hingegen über des G. Eigenmächtigkeiten. Ich denke, das werden wir noch mal bereden. Zumal der G. mit Kühen exakt genau so wenig Erfahrungen hat wie wir. Bei Pferden ist das anders, die züchtete er ja jahrzehntelang. Aber Pferd =/= Kuh.
Der Gatte und ich haben vor, in Zukunft unsere Wünsche nachdrücklicher durchzudrücken, nach dem bekannten Motto: „Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird.“

Wir werden sehen.